Welche Paragraphen gelten eigentlich für Verwahrstellen?

Anlässlich unseres Beitrags zur neuen MaDepot haben wir uns im Folgenden angeschaut, welche Rechtsgrundlagen für Verwahrstellen maßgeblich sind. Denn davon gibt es eine Fülle.

Rolle der Verwahrstelle im Investmentverhältnis

Das Investmentverhältnis wird durch die Dreieckskonstellation von Verwahrstelle, Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) und Anleger bestimmt: Die KVG trifft im Rahmen ihrer kollektiven Vermögensverwaltung die Entscheidung, wie das Fondsvermögen angelegt wird, während die Verwahrstelle bestimmte Aufgaben der technischen Abwicklung, die Verwahrung des Investmentvermögens sowie Kontrollfunktionen gegenüber der KVG wahrnimmt.

Die Verwahrstelle stellt also im Vergleich zum Abschlussprüfer und zur Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die nächste Kontrollinstanz der KVG dar. Konkret prüft sie die Vereinbarkeit der laufenden Tätigkeit der KVG mit aufsichtsrechtlichen Vorgaben, dem deutschen und europäischen Kapitalanlagerecht sowie den vertraglichen Grundlagen des jeweiligen Investmentvermögens. Gleichzeitig ist die Verwahrstelle verpflichtet, die verwahrten Vermögensgegenstände vor Verlust zu sichern.

Maßgebliche Rechtsgrundlagen

Maßgebliche Vorschriften, wonach eine Verwahrstelle ihr Handeln ausrichten muss, sind sowohl in deutschen Gesetzen, in europäischen Verordnungen und in Auslegungshinweisen der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) und der BaFin zu finden.

Im Einzelnen sind das:

Angesichts dieser Fülle an deutschen und europäischen Rechtsgrundlagen stellt sich die Frage, in welchem Verhältnis die Vorgaben zueinander stehen und wie sich daraus Rechte und Pflichten ableiten lassen.

Ausgangspunkt sind in Deutschland die Regelungen des KAGB, die unter anderem Vorgaben zum Beauftragungsvertrag, der Verwahrung selbst und der Kontrollfunktion treffen. Hinsichtlich der genauen Ausgestaltung wird zwischen OGAW- und AIF-Verwahrstellen unterschieden. Die Regelungen des KAGB sind eher allgemein gehalten und verweisen deshalb in bestimmten Bereichen auf die detaillierteren Delegierten Verordnungen, so wird bspw. im KAGB für den Verwahrvertrag nur Schriftform vorgeschrieben, während sich die inhaltlichen Einzelheiten erst aus den Delegierten Verordnungen ergeben.

Die Delegierten Verordnungen sind Teil des europäischen Rechts und gelten genauso unmittelbar wie deutsche Gesetze. Um diese noch genauer zu interpretieren, lassen sich die jeweils maßgeblichen ESMA-Q&A heranziehen, in denen die ESMA auf einzelne Fragestellungen eingeht. Die ESMA-Q&A selbst binden wiederum nur die nationalen Aufsichtsbehörden bei der Auslegung der Delegierten Verordnungen, also in Deutschland die BaFin. Aufgrund dieser mittelbaren Bindungswirkung werden sie in der Praxis jedoch auch durch die Verwahrstellen 1:1 umgesetzt.

Im Verwahrstellenrundschreiben konkretisiert wiederum die BaFin ihre Verwaltungspraxis auf deutscher Ebene im Hinblick auf ausgewählte Fragestellungen im Zusammenhang mit den Pflichten von Verwahrstellen nach dem KAGB und der Delegierten Verordnung (EU) Nr. 231/2013. Auch das Rundschreiben MaDepot, das Mindestanforderungen an die ordnungsgemäße Erbringung des Depotgeschäfts und den Schutz von Kundenfinanzinstrumenten für Wertpapierdienstleistungsunternehmen konkretisiert, ist auf Verwahrstellen anwendbar. Allerdings ist die MaDepot nachrangig, soweit eine Konkurrenz zu den zuvor genannten Vorgaben besteht, wenn die Tätigkeit als Verwahrstelle betroffen ist. Sofern mangels anderer Vorgaben keine Konkurrenz besteht, gilt jedoch die MaDepot, bspw. bei den genauen Anforderungen an organisatorische Anforderungen gegen den Verlust von Kundenfinanzinstrumenten durch Pflichtverletzungen.

Fazit

Die verschiedenen einschlägigen Rechtsgrundlagen für Verwahrstellen sind eng miteinander verflochten. Ihre Einhaltung ist rechtlich dringend notwendig. Kommt die Verwahrstelle ihrer Verwahrfunktion nicht entsprechend den gesetzlichen Vorgaben nach und verliert ein Finanzinstrument, macht sie sich gegenüber der KVG und den Anlegern haftbar.

 

MaDepot – Die BaFin konkretisiert Mindestanforderungen an das Depotgeschäft

Am 16. August 2019 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) das Rundschreiben 07/2019 (WA) – Mindestanforderungen an die ordnungsgemäße Erbringung des Depotgeschäfts und den Schutz von Kundenfinanzinstrumenten für Wertpapierdienstleistungsunternehmen (MaDepot) veröffentlicht. Das Rundschreiben war zuvor von April bis Juni 2018 zur Konsultation gestellt worden. Grundlage der MaDepot sind die Vorgaben der zweiten europäischen Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) zum Schutz von Kundenvermögen.

Das Rundschreiben richtet sich an Wertpapierdienstleistungsunternehmen, die Finanzinstrumente für Kunden halten und verwahren. Es bietet eine Übersicht und Zusammenstellung einschlägiger aufsichtsrechtlicher Vorgaben an und konkretisiert die Verwaltungspraxis der BaFin zu ausgewählten Punkten. Im Detail thematisiert die MaDepot

  • Organisationspflichten, die das Institut zum Schutz von Kundenfinanzinstrumenten einhalten muss, soweit diese im Eigentum des Kunden stehen und vom Wertpapierdienstleistungsunternehmen für den Kunden gehalten und gewahrt werden,
  • Verhaltenspflichten in Bezug auf Information der Kunden sowie Verwaltung der Kundenfinanzinstrumente, sowie speziellen
  • Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten.

Es handelt sich dabei ausdrücklich nur um ausgewählte Aspekte der betreffenden Regelungen. Hinsichtlich weiterem Auslegungs- und Änderungsbedarf wird die BaFin im Dialog mit den Marktteilnehmern bleiben.

So werden etwa Vorgaben der Verordnung zur Konkretisierung der Verhaltens- und Organisationsanforderungen für Wertpapierdienstleistungsunternehmen (WpDVerOV) und der Delegierten Verordnung (EU) 2017/565 zu MIFID II konkretisiert und weiter ausgeführt. Zum Beispiel werden die Vorgaben für Drittverwahrung hinsichtlich der Sorgfaltspflichten bei der Auswahl, Beauftragung und Überwachung des Dritten wesentlich konkretisiert, die bereits in § 10 WpDVerOV angelegt sind.

Die MaDepot betreffen auch das Investmentrecht, weil Depotbanken als Verwahrstelle der Fondsassets im Sine des KAGB diese Vorgaben einhalten müssen, sofern nicht das Verwahrstellenrundschreiben der BaFin (Rundschreiben 08/2015 (WA)), das KAGB selbst oder die Delegierten Verordnungen (EU) Nr. 231/2013 und 2016/438 vorrangige Vorgaben enthalten. Wir werden in einem zukünftigen Blogbeitrag diese Rechtsvorschriften einmal detaillierter vorstellen. Die nun veröffentlichten Vorgaben der BaFin tragen klar die Handschrift des Anlegerschutzes.