Risiken und Schwachstellen der Finanzstabilität – Bericht des Gemeinsamen Ausschusses der Europäischen Aufsichtsbehörden

Am 12. September 2019 hat der Gemeinsame Ausschuss der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority – EBA), der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (European Insurance and Occupational Pensions Authority – EIOPA) und der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (European Securities and Markets Authority – ESMA) einen Bericht über die Risiken und Schwachstellen der europäischen Finanzmärkte und –systeme veröffentlicht.

Hintergrund

Der Gemeinsame Ausschuss der Europäischen Aufsichtsbehörden koordiniert die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen EBA, EIOPA und ESMA, um so eine kohärente Aufsicht sicherzustellen. Unter anderem veröffentlicht der Gemeinsame Ausschuss im halbjährlichen Turnus Berichte, in denen Risiken und Schwachstellen in Bezug auf die Finanzstabilität in der Union nebst Empfehlungen, wie diese durch koordinierte Politik- und Aufsichtsmaßnahmen angegangen werden können, dargestellt werden.

Potenzielle Quellen für Instabilität und Handlungsempfehlungen

Im Einzelnen beschäftigt sich der Bericht mit dem Brexit, niedrigen Zinssätzen, unrentablen Banken, Leveraged Loans und Collaterized Loan Obligations sowie nachhaltiger Finanzwirtschaft und ESG-Risiken.

  • Brexit: Ein harter Brexit ohne Abkommen kann sich bspw. durch sinkende Vermögenswerte und steigende Risikoprämien auf den Finanzmärkten bemerkbar machen. Marktteilnehmer und Aufsichtsbehörden sollen deshalb ihre Arbeit an der Notfallplanung fortsetzen, sodass sie auch für einen harten Brexit gerüstet sind.
  • Niedrige Zinssätze: Es ist damit zu rechnen, dass die Zinssätze weiterhin niedrig bleiben, sodass die damit verbundenen Risiken berücksichtigt werden müssen, bspw. sollen bei Investmentfonds die Regeln für das Liquiditätsmanagement beachtet und Stresstests durchgeführt werden.
  • Unrentable Banken: Um die Widerstandsfähigkeit der Institute gegenüber einem schwierigeren wirtschaftlichen Umfeld zu erhöhen, sind weitere Investitionen in Finanztechnologien und das Erkunden von Möglichkeiten zur Konsolidierung des Bankensektors erforderlich. Gerade hier ist die konsequente Anwendung gemeinsamer Aufsichtsanforderungen und –regeln äußerst wichtig.
  • Leveraged Loans und Collaterized Loan Obligations (CLOs): Die Risiken, die im Zusammenhang mit dem Markt für Leveraged Loan und Collaterized Loan Obligations auftreten können, sollen weiter untersucht und identifiziert werden. Nach wie vor bestehen hier Unklarheiten über das Gesamtvolumen der ausstehenden Leveraged Loans und über die letztendlichen Risikoträger der CLO-Tranchen, wodurch eine Unterbewertung von Risiken droht.

Nachhaltige Finanzwirtschaft und ESG-Kriterien: der Klimawandel und die Implementierung der ESG-Kriterien Environment, Social und Governance kann erhebliche Risiken für das Finanzsystem bergen (vgl. dazu auch hier ),weshalb Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute bspw. mittels Szenarioanalysen und Stresstests ihre Risikobewertung daran anpassen sollen.

Fazit

Die Handlungsempfehlungen sind für Marktteilnehmer rechtlich nicht bindend. Die nationalen Aufsichtsbehörden werden ihre Aufsichtspraxis jedoch an die Empfehlungen des Gemeinsamen Ausschusses der Europäischen Aufsichtsbehörden anpassen, sodass sich auch die Marktteilnehmer an den Handlungsempfehlungen orientieren sollten.

EIOPA veröffentlicht ein Konsultationspapier zum Thema Integration von Nachhaltigkeitsrisiken und – faktoren

Die EIOPA (European Insurance and Occupational Pensions Authority) hat am 28. November 2018 den Entwurf eines Technical Advice betreffend mögliche Anpassungen der delegierten Rechtsakte bezogen auf Solvency II sowie der Insurance Distribution Directive (IDD) (Richtlinie (EU) 2016/97) veröffentlicht. Die Konsultation endete am 30. Januar 2019.  

Die vorgeschlagenen Änderungen im Zusammenhang mit Solvency II zielen darauf ab, die Identifikation und die Bewertung der Nachhaltigkeitsrisiken auf den Gebieten des Underwriting und der Investitionen sicherzustellen. Dabei sollen die potentiellen langfristigen Auswirkungen auf Anlageentscheidungen bezogen auf Nachhaltigkeitsfaktoren Berücksichtigung finden (sog. steward principle). Zudem sollen die Präferenzen des Versicherungsnehmers für die ESG-Kriterien (Environmental, Social und Governance) reflektiert werden.

Die vorgeschlagenen Änderungen bezogen auf die IDD betreffen die folgenden Bereiche:

  • Interessenkonflikte: Versicherungsunternehmen bzw. Versicherungsvermittler sollen bei der Ermittlung von Interessenkonflikten, die die Interessen des Kunden beeinträchtigen könnten, auch solche Interessenkonflikte berücksichtigen, die im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsthemen stehen. Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittler sollen über geeignete Vorkehrungen verfügen, um sicherzustellen, dass ESG-Überlegungen in den Beratungsprozess einbezogen werden.
  • Produktüberwachung & Governance: Die ESG-Präferenzen der Kunden im Zielmarkt sollten in verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus berücksichtigt werden, wenn das Versicherungsprodukt Kunden angeboten wird, die Versicherungsprodukte mit einem ESG-Profil bevorzugen.

Stellungnahmen sollen auf der Grundlage der folgenden drei Grundsätze entwickelt wurde: Kohärenz mit den aktuellen Anforderungen, Verhältnismäßigkeit sowie sektorübergreifende Konsistenz.

Mit dem Konsultationspapier reagiert die EIOPA auf eine Anfrage der Europäischen Kommission vom 1. August 2018. Insbesondere bezog sich die Anfrage auf die folgenden Themen: organisatorische Anforderungen, Betriebsbedingungen, Risikomanagement sowie Zielmarktbewertung (letzteres nur im Zusammenhang mit der IDD).

Nachhaltigkeit wird im gesamten Finanzmarkt zum Dauerthema und Schwerpunkt auch für die Aufsichtsbehörden. Es bleibt abzuwarten, welche messbaren Kriterien letztlich als Konsens festgelegt werden, um Investitionen tatsächlich nachhaltiger zu gestalten.