Directors‘ Dealings – Erhöhung des Schwellenwertes für Eigengeschäfte auf EUR 20.000

Vorstände und Aufsichtsräte müssen offenlegen, wenn sie Finanzinstrumente wie z.B. Aktien oder Unternehmensanleihen am eigenen Unternehmen erwerben. Das Prinzip der Transparenz verlangt, dass sich die Öffentlichkeit über Geschäfte von Vorständen oder Aufsichtsräten mit Finanzinstrumenten des eigenen Unternehmens informieren kann. Es handelt sich hierbei um einen Interessensausgleich zwischen den persönlichen Geschäftsinteressen der Führungskräfte und dem durch den Interessenkonflikt der Führungskräfte getriggerten Informationsanspruch der übrigen Marktteilnehmer.

Der Offenlegungspflicht nach Art. 19 MAR

Art. 19 der Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014  statuiert in diesem Kontext eben diese Offenlegungspflicht über Eigengeschäfte mit finanzmarktgehandelten Anteilen und Schuldtiteln des Emittenten oder damit verbundene Finanzinstrumente (z.B. Derivate) für Mitglieder der Geschäftsführung und des Aufsichtsorgans eines Emittenten sowie von allen anderen Personen, die regelmäßig Zugang zu Insiderinformationen haben und zugleich wesentliche unternehmerische Entscheidungen treffen. Innerhalb von drei Geschäftstagen müssen solche Geschäfte dem Emittenten und der zuständigen Behörde (BaFin) gemeldet werden. Die BaFin stellt eine Datenbank für solche Eigengeschäfte zur Verfügung,  die öffentlich einsehbar ist. Die Verpflichtung wird auch auf Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, unterhaltsberechtigte Kinder und andere Verwandte, die seit mindestens einem Jahre demselben Haushalt angehören, angewandt. Weiterhin gilt dies auch für mit der Führungskraft in enger Beziehung stehende juristische Personen, treuhänderisch tätige Einrichtungen (z.B. Stiftungen) oder Personengesellschaften.

Anhebung des Schwellenwertes durch die BaFin

Die BaFin möchte den Schwellenwert der meldepflichtigen Geschäfte ab dem 1. Januar 2020 von EUR 5.000 auf EUR 20.000 im Jahr anheben. Gemäß Art. 19 Abs. 9 MAR sind die nationalen Aufsichtsbehörden zur Anhebung dieses Schwellenwertes ermächtigt. Nachdem für das erste Jahr nach Anwendbarkeit der Marktmissbrauchsverordnung ein deutlicher Anstieg der Meldungen verzeichnet wurde und ca. 18% unter der Schwelle von EUR 20.000 lagen, hatte die BaFin sich zur Anhebung des Schwellenwertes entschieden. Am 25. Juli 2019 hat sie einen diesbezüglichen Entwurf einer Allgemeinverfügung zur Anhörung bis zum 31. August 2019 veröffentlicht.

Sollte die Allgemeinverfügung erlassen werden, wird die ESMA hierüber informiert, damit sie den Schwellenwert in ihrer diesbezüglichen Liste auf ihrer Webseite veröffentlichen kann. Die Schwelle von EUR 20.000 gilt demgemäß derzeit auch für Dänemark, Frankreich, Italien und Spanien.

Transparenz vs. Praktikabilität

Im Endeffekt geht es um den Ausgleich zwischen Transparenz und Praktikabilität. Nach Erwägungsgrund 58 der MAR soll ein angemessenes Gleichgewicht zwischen dem Grad der Transparenz und der Anzahl der Mitteilungen gewährleistet werden. Hier ist der organisatorische und finanzielle Aufwand für die Emittenten und das Informationsbedürfnis der Anleger abzuwägen. Angesichts dieser Punkte, der Kaufkraft in Deutschland und den Werten im internationalen Vergleich, scheint die Schwelle von EUR 20.000 pro Kalenderjahr dem Interesse der Öffentlichkeit an Informationen zu genügen. Die Erhöhung des Schwellenwertes ist demgemäß zu begrüßen.