Cloud-Computing, Outsourcing und IT-Aufsicht

In Zeiten der Digitalisierung sind Cloud-Dienste nicht mehr wegzudenken. Gerade für Unternehmen, die innovative Finanz-Produkte anbieten wollen, stellt sich zu Geschäftsbeginn oder bei Erweiterung des Geschäftsmodells die Frage, ob sie eigene traditionelle IT-Systeme aufbauen oder stattdessen IT-Ressourcen aus der Cloud nutzen wollen. Cloud-Computing gibt es in vielen Formen und Größen: on demand oder mit festem Volumen, mit verschiedenen Zugangsoptionen (public, private oder hybrid), als Infrastructure as a service (IaaS), Platform as a service (PaaS) oder Software as a service (SaaS).

Bei IaaS werden Server, Rechenleistung, Speicher und Netzwerkkapazitäten eines Cloud-Anbieters in Anspruch genommen. In der Regel hat bei dieser Variante der Anwender die Kontrolle über Betriebssysteme und Anwendungen. PasS stellt üblicherweise ein Programmiermodell und Entwicklerwerkzeuge zur Verfügung, um Cloud-basierte Anwendungen zu erstellen und zu nutzen, die Infrastruktur ist im Paket inbegriffen. Als dritte und weitreichendste Nutzung externer IT werden bei der SaaS-Lösung Softwareanwendungen über das Internet bereitgestellt, wobei die Anwendungen samt dazugehöriger Infrastruktur von den Cloud-Anbietern gehostet und verwaltet werden.

Da die IT-Aufsicht ein Schwerpunktbereich in der Bankenaufsicht 2018 ist, zeigen wir im Folgenden, welcher regulatorische Rahmen bei der Nutzung von Cloud-Computing zu beachten ist und ob es hierfür eigene, über die altbekannten Auslagerungsvorgaben hinausgehende Anforderungen gibt. Es gibt zwei Regulierungsbereiche, die bei der Nutzung von Cloud-Diensten wesentlich sind: Das ist zum einen das Thema Auslagerung und zum anderen die IT-Sicherheit.

IT-Sicherheit

Wie wir bereits in unserem letzten Blogbeitrag zur Finanzaufsicht in Zeiten der Digitalisierung festgestellt haben, sind die allgemeinen Vorgaben der Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Banken (MaRisk) und Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) die Grundlagen der Verwaltungspraxis der BaFin im Rahmen der IT-Aufsicht. Diese prinzipienbasierten Vorgaben gelten selbstverständlich auch dann, wenn Institute nicht ihre eigene IT-Infrastruktur aufbauen, sondern Cloud-basierte IT-Infrastruktur einkaufen. Denn auch dann muss das Institut gewährleisten, dass seine IT sicher ist und z.B. die Kunden- und Transaktionsdaten verlässlich und sicher verwahrt und genutzt werden.

Erwähnenswert sind hier jedoch auch die Kriterien zur Beurteilung der Informationssicherheit von Cloud-Diensten, die das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in einem Anforderungskatalog Cloud Computing (C5) veröffentlicht hat. Der Anforderungskatalog richtet sich in erster Linie zwar an professionelle Cloud-Anbieter, er findet jedoch auch Berücksichtigung im Rahmen der Prüfung der Institute. Die Prüfer, die auch die Einhaltung der aufsichtsrechtlichen Vorgaben überprüfen, können den Anforderungskatalog des BSI als Prüfungsmaßstab heranziehen. Bei dem Anforderungskatalog selbst handelt es sich nicht um bindende Vorgaben, sondern um Empfehlungen. Die festgeschriebenen Anforderungen stellen eine Referenz des BSI für sicheres Cloud-Computing dar. Daher ist es aus Sicht der Institute wichtig, die Empfehlungen des BSI zumindest zu kennen. Wenn ein Institut mit einem Cloud-Anbieter von dem Anforderungskatalog des BSI abweichende Vereinbarungen treffen sollte, sollte das Institut gegenüber den Prüfern und der Aufsicht erklären können, weshalb der gewählte Dienst dennoch ein hohes Maß an IT-Sicherheit vorweist.

Outsourcing

Ein besonders wichtiges Thema bei der Nutzung von Cloud-Computing ist die Auslagerung von IT-Dienstleistungen. Auslagerungen müssen nach wie vor die Anforderungen der MaRisk und der BAIT erfüllen, d.h. unter anderem, eine eigene Risikoanalyse muss Risikogehalt und Wesentlichkeit einer Auslagerung feststellen, es sind gewisse Anforderungen an die vertraglichen Regelungen mit den Cloud-Dienstleistern zu erfüllen, und es sind intern klare Verantwortlichkeiten für die Steuerung und Überwachung der ausgelagerten Tätigkeiten festzulegen.

Schließlich ist zu betonen, dass die genaue Kenntnis der bezogenen Cloud-Dienste grundlegend ist für den von den Instituten selbst gewählte Umfang des Cloud-Computings. Ein solcher Satz mag verwundern, in der Praxis kommt es jedoch immer wieder vor, dass die Institute trotz ihrer Überwachungspflicht nicht immer alle Details ihrer IT-Infrastruktur kennen. Dem wirken die neuen europäischen Vorgaben zur Auslagerung an Cloud-Anbieter nun explizit entgegen.

Ab 1. Juli 2018 gelten die EBA-Empfehlungen zur Auslagerung an Cloud-Anbieter, die Ende März 2018 veröffentlicht wurden. Die Empfehlungen der EBA binden die nationalen Aufsichtsbehörden und geben so indirekt den europäischen Aufsichtsstandard in Bezug auf Cloud-Computing vor. Neu ist, dass die auslagernden Institute ab 1. Juli 2018 ihre zuständigen Aufsichtsbehörden über wesentliche Tätigkeiten, die an Cloud-Service-Provider ausgelagert werden, angemessen und – wenn man sich die neuen Vorgaben genauer anschaut – nun auch detailliert informieren müssen. So sind künftig für Institute eine Beschreibung der Tätigkeiten und Daten, die ausgelagert werden sollen (einschließlich des Standorts der Datenspeicherung) sowie weitere Vertragsdetails mitzuteilen. Bislang waren solche Informationen intern vorzuhalten und wurden im Rahmen der jährlichen aufsichtlichen Prüfung berücksichtigt, detaillierte Vorgaben zur aktiven Vorlage bei der Aufsicht gab es jedoch nicht. Die EBA-Empfehlungen sehen nun auch explizit vor, dass das auslagernde Institut ein stets aktuelles Informationsverzeichnis mit allen wesentlichen und nicht wesentlichen Tätigkeiten führt, die auf Instituts- oder Gruppenebene an Cloud-Anbieter übertragen wurden. Ein solches Verzeichnis muss z.B. Aufschluss darüber geben, ob der genutzte Cloud-Anbieter ersetzbar wäre und wann die letzte Risikobewertung der Auslagerung seitens des Instituts erfolgte. Weitere zentrale Punkte in dem EBA-Papier sind die vertragliche Umsetzung von Zugangs- und Prüfungsrechten sowohl für die Institute selbst als auch für die Aufsicht, sowie die Sicherheit von Daten und Systemen, die im Kern aber keine Neuerungen für die deutsche Aufsichtspraxis bergen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Nutzung von Cloud-Lösungen aufsichtsrechtlich kein Selbstläufer ist, sondern eine genaue Analyse, Kenntnis und Überwachung des auslagernden Instituts voraussetzt.